Deutsche Energiepolitik ist Abschaltpolitik. Mit der Stilllegung des Kraftwerks Jänschwalde zum 31. Dezember 2028 droht eine Kapazitätslücke bei der Fernwärmeversorgung der Stadt Cottbus.
Für die Bereitstellung von Fernwärme wurden landesweit bisher überwiegend Kraft- Wärme-gekoppelte Kraftwerksanlagen (KWK) genutzt. Dies ist umweltfreundlich, emissionsarm, preiswert und sicher. Mit der so genannten Dekarbonisierung, dem möglichst schnell zu erreichenden Verzicht auf fossile Energieträger, entfällt weitgehend die Nutzung von KWK, abgesehen von Biogas- und Biomasseanlagen.
Kennzeichnend für die deutsche, national angelegte „Energiewende“ ist das ersatzlose Abschalten von fossilen Kraftwerksanlagen nach gesetzlich festgelegten Terminen, ohne zeitgleichen alternativen Ersatz verbindlich vereinbart zu haben.
Im Fall des Kraftwerksstandortes Jänschwalde bestand die Option und Hoffnung, mit einer Ersatzbrennstoffanlage (EVA, Verbrennung von Müll und Reststoffen) eine Wärmequelle zu erhalten, die auch die Fernwärmeversorgung von Cottbus teilweise hätte absichern können. Aus wirtschaftlichen Gründen wird dieses Projekt nicht umgesetzt.
Die Idee eines erdgasbasierten Innovations- und Speicherkraftwerks war absehbar unrealistisch, da eine entsprechend dimensionierte Gasleitung nicht vorhanden ist. Selbst in dem geplanten bundesweiten Wasserstoffkernnetz hat die Lausitz nur niedrige Priorität.
Politische Technologievorgaben wurden ohne Beachtung der Folgen vom grünen Tisch aus getroffen. Das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG) trat im Sommer 2020 in Kraft. In dessen Anhang ist der Stilllegungstermin des Kraftwerks Jänschwalde festgelegt, dieser ist seitdem bekannt. LEAG arbeitet am Markt und kann nur Projekte realisieren, die sich wirtschaftlich darstellen lassen.
Was haben Politiker, die den Kohleausstieg beschlossen haben, ihn begrüßen und befürworten, konkret nach nunmehr fünf Jahren an Lösungen anzubieten?
Welche Lösung bieten die Kohlegegner an, die immer behaupteten, man könne sofort aus der Kohle aussteigen?
Wer aussteigt, muss sagen, wo eingestiegen wird und auch belastbare Antworten zur Wärmeversorgung der Stadt Cottbus geben. Die Stadtwerke Cottbus haben in KWK- Erdgasmotoren, KWK-Heizkessel und Wärmespeicher investiert. Aber auch Erdgas ist ein fossiler Energieträger, das Angebot ist durch den Ukraine-Krieg verknappt, die inländische Förderung durch moderne Technologien (Fracking) verboten.
Zudem wird Erdgas durch CO2-Zertifakte preislich belastet. Mittel- bis langfristig wird der Einsatz von Erdgas zur Wärmeversorgung der Stadt Cottbus aber nötig sein, weil es keine Alternative gibt. Trotz der geplanten Seewasserwärmepumpe bleibt eine temporäre Deckungslücke im Winter bestehen.
Sicher ist, dass durch den Kohleausstieg und dem Ersatz durch weit herantransportiertes Erdgas oder sogar LNG „dem Klima“ nicht geholfen wird, dafür der Fernwärmepreis deutlich steigen wird. Dadurch entsteht eine soziale Dimension, die mit einiger Sicherheit eine Subventionierung des Fernwärmepreises erfordern wird. Guter Rat ist teuer, die Fernwärme wird es noch.
Ein Beitrag der Mittelstandsinitiative Brandenburg